Der neue „Constantin Film“- Film über das Leben Bushidos beeindruckt jedoch leider hauptsächlich damit, dass er die traurige Realität hinter den Kulissen preisgibt.
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Premiere hatte der vergangene Woche im Sony Center in Berlin, das mit all den um den Teppich versammelten Fans eher einem Fußballstadion glich, wie Fan- Gejohle hallten die Teenie-Schreie zwischen den Bauten. Das wurde erst einmal mit Warten belohnt, Bushido und Gefolge kamen natürlich viel zu spät, pünktlich sein ist ja uncool. Dafür musste man sich im Saal auch in der vordersten Reihe nicht umdrehen, um die lautstarke Ankunft der Gleichen mitzubekommen. Der Lärm ging nahtlos über in Beifall, als der Projektor die ersten Bilder auf die Leinwand schmiss, vorbeiziehende Mittelstreifen einer Autobahn, die irgendwie an „Lost Highway“ und den ein oder anderen, weiteren Film erinnerten. Gegröle und Gebrüll gab es auch während des Filmes, bei den Auftritten der einzelnen „Atzen“ von Bushido. Und natürlich, wenn im Film Bushido seine Freundin schlägt oder bergeweise Drogen zum Verkauf portioniert. Klarerweise wird so etwas als heldenhaft dargestellt, wenn man daran denkt, dass die Zielgruppe die deutschen Teenies sind.
Eine Geschichte über den Aufstieg, den Erfolg und die Ehre. Das soll dieser Film sein, doch das Gegenteil zeigt er. Über 90 Minuten kann man sich ansehen, wie weit Leute sinken können. Damit meine ich nicht Bushido oder seine Atzen, damit spreche ich Uli Edel, Bernd Eichinger und deren Atzen an. Hat der Kommerz nun endlich Einzug in den deutschen Hip Hop gehalten und Rapper zu Entrepreneuren gemacht wie ihre amerikanischen Vorbilder, so raubt der Kommerz dem deutschen Kino langsam den letzten Funken Ehre. Wie die in den, im Film ausgesparten, Songtexten besungenen Nutten verkauft man sich hier gänzlich, gibt seine Werte auf für den schnellen Euro, den der bisherige Erfolg des Protagonisten verspricht. Die Zeiten ändern sich, „Letzte Ausfahrt Brooklyn“ oder „Die Kinder vom Bahnhof Zoo“ sind Relikte. Der „Baader- Meinhof- Komplex“ hat es gezeigt, „Zeiten ändern Dich“ hat es bewiesen: Es ist vorbei. Der Anspruch an Inhalt, die Verantwortung eines Geschichtenerzählers dem Publikum gegenüber, die Leidenschaft des Kreativen – abgelöst von Gier und Wahn. Getreu einem Schema wird hemmungslos ausgeschlachtet, was auch immer nach Kassenschlager stinkt. Dafür wird sogar in Kauf genommen, dass man es, wie hier, dem Protagonisten gleich tut und die kommende Generation mit dem Propagieren völlig falscher Werte versaut. Wie soll man einem Kind gute Werte im traditionellen Sinn vermitteln, wenn es vorgelebt bekommt, dass Schlägereien und Drogen cool sind, jedes zweite Wort „ficken“ sein muss und man dafür dann mit Ruhm, Geld und einem Kinofilm belohnt wird?
Die Ehre ist der einzige vertretbare Wert, der sich anstelle der Spannungskurve durch den Film zieht, leider aber immer nur durch Brutalität und Macho-Gehabe vertreten wird. Kiffen, Schlägern und ein mit 260 km/h über die Autobahn bretternder AMG-Mercedes sollen vom allgemein schlechten Schauspiel und dem nervtötend steinernen Erzähstil Bushidos ablenken. Die kurzen Auftritte von Uwe Ochsenknecht, Katja Flint oder Tim Morten Uhlenbrock lassen den Zuschauer für einen Moment vergessen, was er sich da gerade anschaut, nur um danach wieder erschrocken festzustellen, dass eigentlich immer noch nicht wirklich etwas spannendes passiert ist. Die klaffenden Löcher in der Dramatik werden mit programmierter (manchmal auch unfreiwilliger) Komik und notwendiger Romantik gestopft, um vom Fehlen der Substanz abzulenken. Und um die Eltern zu überzeugen, dass ihre Kinder in den Film dürfen. Nur gut, dass diese Kinder nicht mitbekommen haben, wie sich die harten Gangster nahtlos in die Schlips- und Lackschuhträger auf der Afterparty eingereiht haben, auf der überraschenderweise Fler ein netter Gesprächspartner war. Sonst wäre ihr Weltbild, das sie so aufwendig konstruiertet bekommen haben, vielleicht erschüttert worden und das Ghetto-Image würde die Geschäftsmänner preisgeben, die sich berechnend dahinter versteckt halten. Vielleicht würden dann aber auch Bernd Eichinger oder Uli Edel zu den besseren Filmen zurück finden.
(Julius Wilhelm)
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„Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet […] werdet ihr feststellen, dass man Geld nicht essen kann.“ Ähnlich bauernschlau wie diese mit Vorliebe von Alt-68ern auf Stickern publizierte Redewendung der kanadischen Cree-Indianer kommt auch Franny Armstrongs Film „The Age of Stupid“ daher.
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Die britische Regisseurin nahm die im Dezember dieses Jahres anstehenden Verhandlungen zum Nachfolgevertrag von Kyoto zum Anlass, eine Dokufiktion zum Thema Klimawandel zu drehen. Doku, weil neben mehr oder weniger manipulierten Nachrichtenmitschnitten auch vermeintlich „echte“ Menschen zu Wort kommen. Fiktion, weil das Ausgangsszenario eine Welt nach der Klimakatastrophe im Jahr 2055 ist. Und so beginnt der Film mit einer Auswahl wirklich schockierender Bilder: Sydney in Flammen, London überflutet, Las Vegas unter Wüstensand begraben – schockierend vor allem aufgrund kaum ertragbar schlechter Computeranimation.
Der offensichtlich einzig Überlebende der Katastrophe, ein namenloser Menschenfreund, nennen wir ihn Noah, zeigt den Zuschauern in einer Vielzahl kurzer Clips auf modernster 3D-Animationsoberfläche, wie es zur Klimakatastrophe kommen konnte. Sollte da tatsächlich ein Zusammenhang zwischen Wirbelstürmen, Waldbränden, Flutwellen und der Erderwärmung bestehen?
So nimmt die Lehrstunde in Sachen Umweltbewusstsein ihren Anfang. Einwegflaschen aus Plastik sind böse, Öl ist böse, Krieg ist böse und Schuld an allem haben natürlich die Amerikaner. Und die Inder, denn von denen gibt es ziemlich viele und die wollen jetzt auch Billigairlines.
Es dauert nicht lang, da fließen die ersten Tränen. Nicht bei den Zuschauern, sondern bei dem sympathischen, älteren Franzosen, einem Bergführer, der nun immer höher klettern muss, um überhaupt noch auf Gletschereis zu stoßen. Und wessen Herz davon noch unberührt geblieben ist, den sollen dann die ein bis zwei mitleiderregenden Quotenschluchzer des kleinen irakischen Jungen im Exil erweichen, wenn er von der Ermordung seines Vaters durch die Amerikaner erzählt. Was ihn jedoch nicht davon abhält, mit seiner Schwester Krieg zu spielen. Dabei kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass diese possierliche Sequenz vom Filmteam wenn nicht gar initiiert, dann zumindest forciert wurde.
Überhaupt hat all das so deklariert Reale den bitteren Nachgeschmack des Inszenierten: Die junge Afrikanerin, die eigentlich Ärztin werden möchte, nun aber auf dem Schwarzmarkt Diesel verkaufen muss, weil die Flüsse vergiftet und die Fische gestorben sind. Der engagierte Engländer, der mit seiner Windenergieanlage am Widerstand der in ihrem ästhetischen Empfinden gekränkten Bürger scheitert. Und der Amerikaner, der durch Hurrikan Katrina alles verloren hat, außer seiner Harley, seiner Nikotinsucht und seinem Spaß am American Way of Life.
Alle bedienen gängige Klischees und helfen dem Zuschauer zu verstehen, dass es eben nur schwarz und weiß, gut und böse gibt. Franny Armstrong betreibt politische Aufklärung auf Grundschulniveau, die Kunst der Persuasion ist ihr offensichtlich nicht geläufig. Ein einseitiger Blick auf die Ausbeutungsstrukturen des kapitalistischen Konsumsystems auf dem Niveau von aufmerksamkeitsheischendem Boulevardjournalismus ist purer Populismus in bester Sabine Christiansen- Talk-Manier.
Phasenweise fragt man sich, wann sich wohl Michael Moores dicker Hintern endlich vor die Kamera schiebt. Und ähnlich wie Moores Filme berührt auch „The Age of Stupid“ so, wie von Bettlern in Fußgängerzonen zur Schau gestellte Amputationsstumpen: unterhalb der Gürtellinie der Würde.
Das umweltfreundlichste an diesem Film ist noch seine Herstellung: „Lediglich 94 Tonnen CO2 wurden ausgestoßen – etwa so viel wie fünf Amerikaner in einem Jahr verbrauchen“ weiß die Pressemitteilung.
Um die Sache wirklich rund zu machen, hätte Frau Armstrong bloß noch Bono und Geldof für den Soundtrack verpflichten müssen.
Vielleicht leben wir ja in „The Age of Stupid“, was nicht heißt, dass wir in einer Welt voller Dummer leben, für die gut gemeint nicht trotzdem noch das Gegenteil von gut wäre.
(Frederike Ebert/Antonia Märzhäuser)
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Aufklärung ist wichtig. Es kann nie genug davon geben. Aufklärung kann Ängste nehmen, verdrängen und ersetzen. In seinem Buch „Feindbild Moslem“ unternimmt Kay Sokolowsky genau diesen Versuch.
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Er versucht Parallelen zwischen Antisemitismus und Antiislamismus aufzuzeigen, Feindbilder zu demontieren und Erklärungen zu liefern: „Weil die radikalen Muslime die Zivilisation zutiefst verachten, glaubt man, sie ihnen verwehren zu dürfen.“ Dabei bezieht der Konkret-Autor Stellung und zeigt Haltung, wobei letztere keine neue ist, sondern genau diese politisch-korrekte, die einem aktuell nicht weiterhilft, weil sie an den realen Problemen des Miteinanders vorbeizielt. Das macht das Buch einseitig und nur zum Teil aufklärerisch. Anders verhält es sich mit der „Weltgeschichte der Sklaverei“ des in linken Kreisen eher kritisch beäugten Historikers Egon Flaig, der in diesem hochinteressanten Buch die Entstehung, Fortführung, Kommerzialisierung und letztendlich auch die Niederschlagung der Sklaverei beschreibt, wobei es hier nicht um moderne Sklavenhaltung geht, sondern um die verklärte Geschichte der Sklaverei zwischen der Mitte des ersten Jahrtausends und der Neuzeit. Flaig zeigt, dass man stets damit rechnen muss, das eigene Weltbild revidieren bzw. überarbeiten zu müssen, so beschreibt er den durchaus fruchtbaren Boden, auf den die europäischen Kolonialisten stießen und die lange, auch islamische Geschichte der Sklavenhaltung, die erst durch die Abolitionisten-Bewegung ab der Mitte des 18. Jahrhunderts langsam auf ein Ende zusteuerte.
„Feindbild Moslem“ von Kay Sokolowsky ist erschienen bei Rotbuch. „Weltgeschichte der Sklaverei“ von Egon Flaig ist erschienen bei Beck.
(Elmar Bracht)
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Wenn es jemanden gibt, dem man einen unstillbaren Tatendrang unterstellen könnte, dann wohl Detlev Buck. Regisseur, Produzent und Darsteller in einem. Heutzutage steht man all-in-one Produkten ja eher skeptisch gegenüber, hier kann man aber sicher sein, dass man keine Qualitätseinbuße zu befürchten hat. Am 21.Januar kommt sein neustes Werk Same Same But Different in die deutschen Kinos. Wir sprachen mit ihm über Liebe in Zeiten von Globalisierung, Kambodscha und Hamburg.
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BLANK: Die Geschichte von Same Same But Different erschien bereits als Artikel in Kurzform und 2007 als Roman, wann bist du erstmals auf die Geschichte aufmerksam geworden?
DB: Durch das Buch von Benjamin.
BLANK: Was hat dich an der Geschichte so fasziniert, dass du dachtest, da will ich unbedingt einen Film draus machen?
DB: Ich war bereits in Vietnam und kannte die Gegend und konnte mir das sofort vorstellen. Für mich hat irgendwo jede Generation auch einen bestimmten Liebesfilm. Mir hat mal ein alter Regisseur gesagt, jeder Mann will mal eine Frau retten und da habe ich gesagt Nö, das glaube ich nicht, das ist zu kitschig und mittlerweile mag ich diesen Gedanken gerne, etwas zu erzählen, eine Liebesgeschichte und, das war mir sehr wichtig, die auch global funktioniert. Wenn du heute eine Liebesgeschichte nimmst, wo sie nicht zusammen kommen können, weil er aus reichem Haus kommt und sie aus armen Verhältnissen, das wäre heutzutage ein bisschen albern. Obwohl, das passiert jetzt wieder mehr, ein Zahnarzt heiratet heute auch nicht mehr seine Assistentin sondern schaut wie er weiter hoch in die Gesellschaft kommen kann. Es dreht sich also wieder um. Weißt du, der Fokus liegt heute nicht mehr auf dem gesellschaftlichen Unterschied, sondern auf dem kulturellen. Und zwar dem, der wirklich um die ganze Welt geht, wie zum Beispiel Asien. Asien ist einfach ganz anders, da bist du wirklich einem Kontrastprogramm ausgesetzt und das sind wirkliche Hinderungsgründe. Ich fand es einfach schön mich da hinein zu versetzen und diese Geschichte zu erzählen.
BLANK: Das wäre dann auch schon meine nächste Frage gewesen, um was es dir eigentlich im Kern ging, die Liebesgeschichte oder das große gesellschaftliche Konstrukt drum herum?
DB: Das gehört für mich zusammen. Ein großes Hindernis muss die Liebe ja schließlich haben.
BLANK: Wie hast du dich auf den Dreh in Kambodscha vorbereitet und wie hat das Bild, was du hattest und wie es tatsächlich war, auseinander geklafft?
DB: Die Vorbereitung war sehr gut, da unsere Assistentin ihre Medienarbeit dort geschrieben hat und sich sehr gut auskannte. Sie hat insgesamt sechs Monate in Kambodscha gelebt und mir alles erzählt. Wenn du dann aber da bist, dann ist das komplett etwas anderes. Das ist so ein Reichtum an dem Beruf, den ich mache, so etwas erleben zu dürfen.
BLANK: Du warst selbst schon davor in Vietnam, kanntest Asien also?
DB: Ja, ich war in Vietnam, habe dann erst das Buch gelesen, also ich kannte die Länder schon und wusste, was mich ungefähr erwartet.
BLANK: Ist das nicht gerade das interessante, dass man aus westlicher Sicht alles über einen Kamm schert und sich den Eigenheiten der Länder gar nicht bewusst ist?
DB: Das ist ja genau die Perspektive, die Benjamin einnimmt. Der ist da auf diesem Trip durch Asien und kommt auf einmal durch sie in eine Gesellschaft hinein, die er gar nicht kennt und setzt sich dem dann ja auch aus. Das ist, wenn man so will, auch das Abenteuer, nicht nur eine Liebesgeschichte, sondern ein Liebesabenteuer.
BLANK: Das Bild, was der Westen von Asien hat, ist auch von einer großen Portion Kitsch umgeben und auch die Geschichte, Junge aus dem reichen Westen trifft armes Mädchen aus Kambodscha, hätte genug Kitschpotential gehabt. Nun ist der Film aber sehr ehrlich und unprätentiös geworden, schafft es aber trotzdem lauter kleine Wunder zu beinhalten. Wie schafft man diese Gratwanderung?
DB: Vielleicht, weil das genau so ist, wie du es gerade beschrieben hast, ich mag das alles auch nicht und meine Sensoren sind da einfach geschärft. Sie (Sreykeo, gespielt von Apinya Sakuljaroensuk, Anm.Red.) sollte schon "pretty woman" sein aber trotzdem different! Das kommt schon aus dem Empfinden heraus, was ich mag und was ich nicht mag. Und die Geschichte ist schon auch Kitsch, aber ich mag auch guten Kitsch.
BLANK: Insgesamt war das der erste Film, der komplett im Ausland entstanden ist?
DB: Mh, na also in Neukölln war ich auch schon mal. Ich hab aber auch sonst schon viel im Ausland gedreht, hauptsächlich Werbung. Man muss auch sagen, dass, wenn man mit einem internationalen Team zusammenarbeitet, das ist oftmals viel aufmerksamer, als wenn man mit einem Team aus nur einer Nationalität zusammen ist.
BLANK: In dem Film wurde bewusst der Kontrast zwischen dem tristen Hamburg, mit all seinen in sich gekehrten Menschen und Großraumbüros und dem bunten, lauten Kambodscha geschürt. Trotz der Armut in Kambodscha bekommt man das Gefühl, dass die Menschen dort trotzdem glücklicher sind, war das beabsichtigt?
DB: Ich habe gerade mit jemandem gesprochen, der das genau umgekehrt empfunden hat. Der die Atmosphäre in Kambodscha unheimlich traurig und bedrückend fand. Ich kann nichts für das Wetter in Hamburg und auch nichts für die Großraumbüros, (lacht) ich kann wirklich nichts dafür, dass es trüb ist. Es ist aber eben Fakt, dass in Kambodscha sehr viele Menschen zusammen leben, dass viel geschnattert wird und in Hamburg eben wenig. Ich will nicht darüber urteilen wer glücklicher ist, ich mag das nicht. Das schönste Kompliment, was ich zu dem Film bekommen habe, war, dass jemand sagte der Film moralisiere nicht.
BLANK: Gibt es denn aber etwas, was wir für uns von Kambodscha lernen können?
DB: Zu sehen, dass man die Probleme, die wir haben, relativieren kann und sich eher daran erfreuen, wenn man umgeben ist von vielen Menschen und nicht gleich genervt sein. Und letztendlich wenn in der Liebe Probleme auftauchen nicht gleich die Flinte ins Korn werfen, sondern einen Schritt weiter gehen. Nach der Krise gibt es die nächst höhere Perspektive und das ist ja eigentlich auch die Aussage vom Film.
BLANK: Das ist jetzt der zweite Film, den du mit David Kross besetzt, warum war er der richtige für die Rolle?
DB: Weil David auf eine sehr angenehme Art und Weise Dinge ernst nimmt und das zeichnet ihn aus. Dadurch ist er auch für mich als Typ etwas besonderes.
BLANK: Du bist nicht nur Regisseur sondern auch Schauspieler, profitierst du davon, insofern, dass du genau weißt welche Anweisungen die Schauspieler brauchen oder treibt das einen manchmal zum Wahnsinn, weil man es am liebsten einfach selbst spielen würde?
DB: Man muss nicht unbedingt Schauspielern mögen, so wie ich es mag, um ein guter Regisseur zu sein. Mit hilft es manchmal, mir Dinge vorzuspielen und vorzustellen, aber ich spiele nicht vor. Das kann ich auch nicht.
BLANK: Stell dir vor du bist in der Situation: Abitur oder Studium ist fertig und dich packt die Reiselust. Wo würde es hingehen?
DB: Asien finde ich schon spannend, deswegen habe ich den Film auch gemacht. Dadurch, dass dort so große Umbrüche stattfinden und vor allem so schnell. Mich interessieren Länder mit Umbrüchen mehr als andere.
BLANK: Würdest du so weit gehen, in Länder zu reisen, wo eine enorm hohe Armut herrscht oder Krieg?
DB: Ich würde nicht so weit gehen, mein Leben zu riskieren. Da hab ich ehrlich gesagt kein Bock drauf. So weit geht das bei mir nicht.
BLANK: Eine Standardfrage zum Abschluss, was ist dein nächstes Projekt und wird es vor oder hinter der Kamera sein?
DB: Vor der Kamera wahrscheinlich in Kasachstan, ich weiß es aber noch nicht genau. Hinter der Kamera vielleicht die Vermessung der Welt in Südamerika oder Mängelexemplar, je nach Money!
(Antonia Märzhäuser)
Same Same But Different - Homepage zum Film
Bucks Produktionsfirma BojeBuck
Detlev Buck himself
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Zum Technischen: Auf zwei CDs (Lucent/Embrace) findet sich ein okayer, stellenweise etwas statischer „wir-erleben-einen-verhuschten-tag/eine-durchzechte-nacht“ - Mix von Moonbootica´s KoweSix samt den üblichen (Disco-)Verdächtigen einerseits, aber auch - netterweise -, den dazu kompatiblen Indiepathosschlurfis wie Elliot Smith, Soap & Skin oder Fink als moody Mixalternative. So weit so nett.
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Ganz unterhaltsam aber eben ohne größeres Überraschungsmomentum. Es ist halt nur ein zweimaliger und funktionaler DJ - Mix. Musikalisches Handwerkszeug, welches im Club mit adäquatem Alkohol/Leute/Lautstärkepegel bestimmt besser funktioniert als daheim. Das mitgelieferte Brimborium mit dem sich die Modeschöpferin (und Achtung! Qualitätskriterium!) Schülerin von Vivienne Westwood, Silke Wilhelm aber meint einen „Audiovisual Couture“ Überbau für ihre Mode schaffen zu müssen, ist hingegen einfach nur peinlich blasiert. Sorry, aber einen Bezug (bzw. eine Entsprechung) von Lifestyle, Urban Couture und zeitgemäßer Konsensraum/Kopfbeschallung mittels Duftpröbchen in Samtverpackung unter der Zuhilfenahme einer Doppel-Mix-CD eines vielbeschäftigten DJs zu finden, und das Ergebnis den Kunden auch noch als „besondere Sache“ andrehen zu wollen ist prätentiöser Schrott. Einfach nur hirnverzehrend opportunistischer Mist, der das Ausmaß der jahrelangen Musik- und Modeinflation erahnen lässt. Der Kassettenmix eines Teenagers hat bei weitem mehr Style. Im Vergleich dazu geht das hier einfach nur nach hinten los, obwohl das Gehörte strengenommen eigentlich völlig in Ordnung ist. Es ist halt nur die Art und Weise wie hier Allianzen geschmiedet werden die einfach nur wütend machen, verständlich - ob der jahrelang andauernden Invasion des Marketings und der ganzen ästhetischen Belanglosigkeiten.
Die komplette DJ-Mix-CD Schiene ist bei intensiverer Betrachtung sowas von Neunziger und bis zur Leichenstarre anachronistisch. Wann kam die erste Kruder&Dorfmeister DJ-Kicks auf K7 raus? 1996? Gratulation. Fashion und Fortschritt sind demnach antagonistische Waisenkinder. Weltfremd und etwas behindert. Wieso wird Mode 2010 immer noch mit Lounge/Club gleichgesetzt? Wo bleibt das verdammte Wagnis? Das Risiko? Die Subversion? das „Wir-Gegen-Den-Rest“ Gefühl? Leute, rafft euch endlich mal und sucht nach neuen Strategien für euren ranzigen Modevampirismus, vielleicht mal jenseits der symbiotischen Beziehung von Gala-Horizont, Latte Macchiato Melancholie und gähnigen 4/4-Standardclubsounds. Da draußen geht so viel mehr. Das hier braucht kein Mensch. Dead Time For Dead Fashion.
Silke Wilhelm 1: Audiovisual Couture Vol.1 by KoweSix erscheint am 15.02. bei Conte De Conteur
(Daniel Vujanic)
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GESELLSCHAFT/MEDIENJANUAR 2010
Die Zeiten sind hart. Hart wie Stein. Härter noch, hört man hinter vorgehaltener Hand. Und manch einen trifft es mit voller Wucht, mit der ganzen Härte: mal abgesehen von den mittlerweile zur Unsichtbarkeit degradierten ewig Schwachen, Armen und Hungernden, zumeist weit entfernt oder zumindest in einem anderen Bezirk der Stadt, sind das natürlich die Kleinanleger. Oder wir, die Print-Magazine. Und natürlich die deutsche Autoindustrie. Und die US-amerikanische Autoindustrie. Und sicherlich auch Teile der asiatischen und der französischen Autoindustrie. Die Zulieferer nicht zu vergessen. Und die russische Waffenindustrie. Und die Banken. Oder waren das die Banken, die eigentlich keinen Schaden genommen haben? Das ist manchmal nicht ganz so klar feststellbar. Aber vielen geht es schlecht. Da werden sicher auch ein paar Banker drunter sein. Aber auch dem Tourismus geht’s nicht gut. Urlaub fällt immer öfters flach. Weniger Schirmchencocktails. Weniger Champagner? Nein, das wäre übertrieben. Champagner läuft immer. Die Verlierer ziehen aus. Die Gewinner ziehen ein.
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Aber wo sind die Gewinner? Die Baubranche kränkelt. Die Bauern sind unzufrieden. Meine Eltern. Deine Eltern. Der Taxifahrer. Der Nachbar. Die Arbeiter in den Schiffswerften in Norddeutschland und die Praktikantenflut in der Medienbranche sind unzufrieden. Und auch die Musikindustrie leidet.
Doch Not macht erfinderisch. Ablenkungsmanöver allerortens. Man arbeitet sich ab, an Fairtrade und Klimaschutz, an neuen Kollektionen, neuen Gesichtern, neuen Trends und alten Ideen und Idealen. Nichts wirklich Neues. Doch wenigstens etwas. Ein Status Quo. Ein sich nicht bewegen lassendes Konstrukt aus wirren Verflechtungen und Verfehlungen. Doch wir kommunizieren, in ganzen, halben und keinen Sätzen, über un- und endliche Distanzen, über alles und über jeden und fühlen uns dabei unheimlich gut und aufgeklärt und sind währenddessen revolutionär und bieder zugleich. Wir reden uns die Seele aus dem Leib und werden – seelenlos. Doch es herrscht Zufriedenheit, denn man hat den Glauben noch nicht verloren. Vielleicht die Lust.
Es ist ja nicht alles schlecht. Manch einer glaubt sogar, wieder politisch ambitionierte Popmusik ausmachen zu können. Oder war das dem Punk, dem Hip-Hop und dem Indie-Rock vorbehalten? Oder anderen Sub- und Jugendkulturen? Oder macht das einen Unterschied? Am Beispiel von Wahlen wird mehr und mehr deutlich, wie beliebig wir agieren, reagieren und uns regieren lassen. Zur Fußball-Weltmeisterschaft sind wir alle Fußballexperten. Bei Bundestagswahlen verhält es sich so ähnlich: Mit einem Schlag fühlen wir uns aufgeklärt und im Stande, noch so komplizierte Sachverhalte mit dem Nachbarn, dem Taxifahrer oder der eigenen Freundin zu diskutieren und aufzudröseln. Plötzlich generieren wir im Minutentakt Meinung für Meinung.
Mittlerweile haben wir uns einen unbeirrbaren Grundglauben angeeignet, der es uns ermöglicht, die Dinge stets in Verhältnis und Abhängigkeit zu einem weit- und weltumfassenden Kontext zu stellen, der letztendlich doch nur individuelle Bedürfnisse regelt. Das alte Spiel: wie du mir, so ich dir. Doch einer von beiden hat nichts. So ist das. Wahrscheinlich gehören wir zu denen, die etwas haben. Doch wir wissen leider immer noch nicht, was es ist.
Und aus diesem Grund beschäftigen wir uns weiter mit den Dingen, versuchen abzubilden, zu entdecken, zu ergänzen, zu erfreuen, zu irritieren, zu kritisieren und nennen das, in unserem Fall, auch Zwei-tausendzehn, dann ganz einfach nur BLANK. Und natürlich würden wir uns freuen, wenn du, der Leser, dann auch wieder mit dabei bist. Denn wie heißt es so schön: „Der Blick in das Gesicht, eines Menschen dem geholfen ist, ist der Blick in eine schöne Gegend“. Also hilf uns!
(Johannes Finke)

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Photographie: Cécile Sayuri Styling: Aude Jamier
Ich treffe Jennifer Ulrich in einem dieser Cafes, die gefüllt sind mit Chai-Soy-Latte schlürfenden Schönmenschen, die ab und an möglichst lässig ihren Laptop auf und wieder zu klappen und dabei entweder höchst konzentriert oder höchst gelangweilt aussehen. Jennifer ist weder gelangweilt, noch bestellt sie einen Chai-Soy-Latte, und somit wären die ersten Sympathiepunkte klar vergeben. Dass sie ihre Zeit nicht mit obligatorischem Laptop Auf- und Zuklappen verbringt wird klar, wirft man einen Blick auf die Arbeiten der vergangenen zwei Jahre. Neben zahlreichen Fernsehproduktionen spielte sie 2008 in Dennis Gansels „Die Welle“ ihre erste Kinohauptrolle. Mit „Albert Schweitzer – Ein Leben für Afrika“ betritt sie erstmalig das internationale Parkett und so wird unser Treffen vor allem ein Gespräch über den deutschen Film, internationale Chancen und Berlin als Melting Pot der Schauspielszene.
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BLANK: Kannst du dich noch an deinen ersten Kontakt mit Film erinnern, gab es so etwas wie ein einschneidendes oder prägendes Erlebnis, was dich zur Schauspielerei gebracht hat?
JU: Es gab nie den Punkt, dass ich im Kino saß, einen Film gesehen habe und mir dachte „Ja, genau das möchte ich machen". Es war vielmehr so, dass ich wusste, Schauspielerei könnte eine Sache sein, die mir Spaß macht, allerdings hatte ich keine Ahnung wie ich die Sache angehen könnte. An meinen ersten Film „Große Mädchen weinen nicht“ bin ich auch nur durch puren Zufall geraten, danach wusste ich dann aber ganz genau, dass es das ist, was ich machen möchte.
BLANK: „Albert Schweitzer“ war deine erste internationale Filmproduktion. Was war bei dem Projekt anders und welche neuen Erfahrungen konntest du vom Dreh mitnehmen?
JU: Zunächst war es natürlich spannend, in Englisch zu drehen. Ich fühle mich in der Sprache eigentlich sehr wohl, von daher hatte ich richtig Spaß beim Drehen. Dennoch war das die größte Herausforderung, in einer anderen Sprache zu drehen und zu sehen, wie verändert sich die Art und Weise, wie ich spiele, dadurch? Das Team war außerdem viel größer als bei deutschen Produktionen und dadurch, dass wir in Südafrika gedreht haben war die Atmosphäre für mich unheimlich spannend. Man hat eben nicht die Möglichkeit, sich ins Heimische zu flüchten und abzuschalten, was bei Drehs in Berlin ganz normal ist.
BLANK: Hast du Unterschiede zwischen den Arbeitsweisen, wie du sie gewöhnt bist, und denen am Set von „Albert Schweitzer“ bemerkt?
JU: Im Prinzip ist die Basis immer sehr ähnlich und man begegnet sich, egal aus welchem Land man kommt, auf derselben Ebene. Die Arbeit mit Gavin, dem Regisseur, war dennoch etwas ganz anderes. Er ist ein sehr erfahrener Regisseur, der schon seit Ewigkeiten Filme macht und dadurch ganz eigene Arbeitsweisen entwickelt hat. Zum Beispiel macht er wenige Takes, oft nur einen einzigen und er weiß genau was er will. Die Schauspieler haben wenig Zeit zum Proben am Set und müssen eigentlich sofort präsent sein. Das war aber nicht nur für mich anders, sondern für alle Schauspieler vor Ort.
BLANK: Und was gefällt dir besser?
JU: Ich muss ganz ehrlich gestehen, ich mag es lieber, wenn man etwas mehr auf Sicherheit geht und deutsche Regisseure nehmen da meistens lieber einen Take mehr als zu wenig. In den meisten Fällen muss man als Schauspieler einfach lernen, dem Regisseur zu vertrauen.
BLANK: Der junge deutsche Film erntet schon seit längerem internationale Anerkennung und ist bei internationalen Filmfestspielen sehr erfolgreich. Erhöht sich dadurch der Druck auf dich als Schauspielerin?
JU: Man spürt eine Veränderung dadurch, dass der Markt einfach internationaler wird und die Agenten auf einmal Wert darauf legen, dass wir unser Englisch trainieren. Die Aufmerksamkeit für den deutschen Film ist momentan wirklich sehr hoch und das sollte man ausnutzen. Wer weiß, wie es in ein paar Jahren wieder aussieht.
BLANK: Zurück zu dir. Deine letzten beiden Filme waren sehr politisch, einmal „Die Welle“ und jetzt „Albert Schweitzer“. War das Zufall? Was hat dich an den Rollen gereizt?
JU: Das werde ich witzigerweise öfters gefragt, da „Die Wolke“ ja auch ein sehr politischer Film war. Zunächst war es eigentlich Zufall. Ja, ich mache ich lieber einen Film mit einem ernsteren und vielschichtigeren Hintergrund, der die Menschen zum Nachdenken anreizt. Die Gespräche, die danach stattfinden, sind einfach interessanter und tiefschürfender. Man spielt auch mit einem ganz anderen Gefühl, es ist nicht rein emotional sondern findet auf mehreren Ebenen statt, wenn man zusätzlich noch eine politische Message herüberbringen möchte.
BLANK: Wie war das bei „Albert Schweitzer“? War die Einarbeitung in das Thema durch den historischen Hintergrund und dessen immense Tragweite schwierig?
JU: Ich muss ehrlich sagen, dass ich mit „Albert Schweitzer“ zunächst gar nicht so viel Politisches verbunden habe. Klar, jeder hat mal den Namen gehört und weiß grob etwas mit der Person anzufangen. Ich war mir aber nicht im Klaren darüber, wie eng er in den damaligen Diskurs rund um die Atombombe und die atomare Aufrüstung eingebunden war. Das meiste zu dem Thema habe ich mir in Vorbereitung auf die Rolle angelesen.
BLANK: In „Die Welle“ wie auch in „Albert Schweitzer“ spielst du einen willensstarken und selbstbewussten Charakter, der sich bewusst einer Autorität widersetzt. Wie wichtig ist dieser Charakterzug auch für dich persönlich als Schauspielerin? Gab es Momente, in denen du klar gegen etwas Position beziehen musstest?
JU: Ja, gerade als junge Schauspielerin muss man mit jedem Film wieder neu ansetzen, und sich bei Produzenten, Regisseuren und auch Castern immer aufs Neue behaupten.
BLANK: Kann es denn sein, dass du den Regisseur am ersten Drehtag erst zu Gesicht bekommst?
JU: Es kann durchaus passieren, dass man den Regisseur erst am Set kennen lernt und man sich vorher noch nie gesehen hat. Das kommt bei manchen TV-Episodenrollen schon mal vor, wenn es eine Direktbesetzung ohne Casting ist und die Zeit vorher knapp ist. Wenn es zu keinem persönlichen Treffen kommt, versuche ich wenigstens ein Telefongespräch zu führen, daraus lässt sich manchmal schon viel ableiten. Beim Kino kommt das aber eigentlich fast nie vor.
BLANK: Berlin ist so etwas wie der Melting Pot deutscher Jungschauspieler. Empfindest du diese Dichte hier in Berlin als Vor- oder Nachteil? Gibt es einen aktiven Austausch in der Szene oder erhöht dieser Umstand eher den Druck?
JU: Ich sehe es zunächst einmal als einen positiven Umstand an, in Berlin zu leben, einfach weil viele Produktionsfirmen, Regisseure und Caster hier sitzen. Generell bin ich kein sehr konkurrenzdenkender Mensch, da ich glaube, dass wir als Schauspieler da sowieso nicht viel ausrichten können. Wir sind nicht diejenigen, die entscheiden ob wir die Rolle bekommen. Das einzige, was ich für mich tun kann, ist, gut zu spielen. Das Klischee des Zickenkriegs unter Schauspielerinnen sehe ich für mich nicht bestätigt. Klar denken nicht alle so, aber in den Kreisen, in denen ich mich bewege, helfen wir uns gegenseitig und nutzen unsere Netzwerke im positiven Sinne. Für mich haben sich durch die Schauspielerei sehr lange und feste Freundschaften entwickelt und wenn ich einer Freundin nach einem Casting sagen kann, wie sie sich vorbereiten sollte, dann mache ich das gern.
BLANK: Cary Grant, Marlene Dietrich – Hollywood, ist das überhaupt noch ein Ziel oder wurde dieses Ideal längst abgelöst?
JU: Klar übt Hollywood nach wie vor eine Faszination auf mich aus, aber ich glaube, dass man mittlerweile auch wirklich gute Chancen in Deutschland hat, da sich der amerikanische Markt gerade stark auf Deutschland konzentriert. Ich habe einen amerikanischen Agenten, der mir sogar geraten hat, den Zweig, der sich hier gerade auftut, zu nutzen.
BLANK: Was glaubst du macht den deutschen Film so besonders, was zieht diese Aufmerksamkeit auf ihn?
JU: Das ist eine schwierige Frage, aber ich glaube es liegt daran, dass der deutsche Film wieder aussagekräftiger wird, politischer und intensiver. Wir können mit dem internationalen Markt mittlerweile gut mithalten, wir haben gute Geschichten und trauen uns endlich wieder mehr bzw. haben einige junge Regisseure, die nicht vor Neuem zurückschrecken. Das Selbstbewusstsein der Filmemacher kann aber ruhig noch ein bisschen mehr werden, allerdings muss man auch immer bedenken, dass man den deutschen und amerikanischen Markt nicht vergleichen kann. Wir finanzieren anders und das wirkt sich eben auch auf Filme aus. Wir haben unheimlich gute Autoren, die in Deutschland leider absolut stiefmütterlich behandelt werden. Das ist anderswo nicht so. Ich sehe da noch viel Potential und hoffe, es wird ausgeschöpft.
BLANK: Damit komm ich auch schon zu meiner nächsten Frage, an was mangelt es ihm noch?
JU: Wir riskieren noch zu wenig. Schaut man sich mal die Skandinavier an, die erzählen tolle vielschichtige Geschichten und scheuen nicht vor menschlichen Abgründen und schwarzem Humor zurück, das trauen sich hier wenige. Eine Geschichte erzählen, die richtig unter die Haut geht und nicht erst hundertmal weichgekocht wird, so etwas wünsche ich mir. Ich schaue mir lieber so Filme wie „Der Freie Wille“ an, wo ich dann während dem Gucken nur denke „Oh Gott" und danach erstmal drei Wodka kippen muss. Aber wenigstens nehme ich den Film dann mit nach Hause, beschäftige mich mit dem Thema und der Art des Films. Ich bin zwar kein großer Arthaus-Fan, aber mir ist es lieber, wenn die Kamera einen Moment zu lange draufhält, anstatt zu früh rauszugehen. Oberflächlichkeit und Film gehören für mich einfach nicht zusammen. Alles, was real möglich ist oder möglich wäre, darf durch Film nicht geschönt werden. Genau wie die Frage, ob ich Nazis als Menschen überhaupt zeigen darf. Natürlich darf man. Es waren ja schließlich Menschen, die diese schrecklichen Dinge verbrochen haben und vielleicht verdeutlicht gerade eine menschliche Darstellung das Grauen noch besser. Sobald es mit Identifikation zu tun hat, wird es für manche Menschen einfach schwer solche Filme zu sehen, das ist auch okay, aber solche Filme deswegen nicht zu machen oder ins Oberflächliche abdriften zu lassen, aus Angst zu sehr zu provozieren, halte ich für falsch.
BLANK: Fragt man einen Schauspieler, welchen Charakter er gerne einmal spielen möchte, bekommt man meistens die Antwort „einen exzentrischen, extremen Charakter". Wie schwer ist es, aus einem bestimmten Schema X, z.B. dem des jungen hübschen Mädchens wieder heraus zu kommen?
JU: Natürlich würde ich gerne einen exzentrischen Charakter spielen, so geht es an einem bestimmten Punkt, denke ich, jedem Schauspieler. Und es stimmt, dass es nicht so einfach ist, aus einer Schublade herauszukommen, in die man einmal geraten ist. Für eine Zeit ist das mal ganz nett, aber man muss immer aufpassen, dass man wieder herausfindet. Hier sind wir aber wieder beim alten Thema: Du brauchst Leute, die sich trauen, Dich gegen zu besetzen und damit ein Risiko eingehen, damit auf anfängliche Skepsis zu treffen. Ich würde gerne jemanden spielen, der richtig hässlich ist, von innen wie von außen, aber das trauen sich bisher nur wenige mit mir in Verbindung zu bringen.
BLANK: Was würdest du sagen, ist die größte Bereicherung, die dir die Schauspielerei für dein eigenes Leben bringt?
JU: Auf jeden Fall das „Lernen“. Als Schauspieler hast du die Möglichkeit in Situationen –seien sie angenehm oder unangenehm – zu schlüpfen, aus denen wir privat etwas ziehen können. Man kann sich oft die Frage stellen, wie würde ich reagieren, was würde ich tun? Manchmal weiß man die Antwort nicht und kann nachdem man gespielt hat zumindest sagen, wie man es nicht machen würde.
BLANK: Sozusagen eine Generalprobe für das Leben, ohne Konsequenzen?
JU: Ja, ich habe das Recht, in einer Rolle etwas falsch zu machen und muss mir keine Sorgen um die Konsequenzen meines Handelns machen. Wir bekommen sozusagen zwei Chancen, fürs Leben zu lernen.
BLANK: Dann müssten Schauspieler eigentlich die besseren, weil überlegten Menschen sein?
JU (lacht): Nein, das ist dann wohl doch etwas zu hoch gegriffen.
(Antonia Märzhäuser)

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Eine Kolumne von Roman Libbertz. ![]()

Die etwas andere Kolumne von Nilz Bokelberg. ![]()