Photographie: Matthias David | Model: Luzie Loose | Haare & Make up: YAB Berlin | Styling: Fleur Uhlenbrock & Elmar Bracht
Ob Sonnenaufgänge à lá Olafur Eliasson oder von Blumen übersäte Röcke und Walla-Walla-Kleider,
die Natur ist diesen Sommer die liebste Freundin von Kunst und Mode. Die Städter sehnen sich nach der grünen Unschuld und es scheint so,
als wären Jungen und Mädchen diesen Sommer aus einem Astrid Lindgren Buch entschlüpft. Die Romantiker wussten bekanntlich einige Oden an die Natur zu
verfassen und so steht unser Sommer-Shooting ganz im Zeichen dieser sehnsuchtsvollen Verklärtheit. (Text: Antonia Märzhäuser)
![]()

Dieser Artikel als Link: http://blank-magazin.de/index.php#fashion_pt6
![]() |
Ein melancholisches Potpourri von entschleunigten Coverversionen, kredenzt der französische
Tastendandy Maxence Cyrin mit „Novö Piano“. Dabei fächert er alte und neue Klassiker (Pixies, MGMT, Beyoncé, Daft Punk, Justice)
aus dem endlosen Kanon des Pop hauptsächlich nach ihren Melodieaspekten auf und und – tja – überträgt sie mit der
schlafwandlerisch-jovialen Präzision eines Barpianisten in die Klangwelt des Solopianos.
Und er schafft es zuweilen tatsächlich, die Songs nochmal bis auf ihre quecksilbrige Essenz auszuwringen.
|
||
Das sind dann die lichten Momente, in denen der Zuhörer merkt, dass sich ein besagter „Klassiker“ eben auch auf einer zypriotischen Panflöte spielen lassen könnte, ohne seinen „Klassikerstatus“ zu verlieren. Bei „Where Is My Mind?“ von den Pixies erstarre ich in Ehrfurcht. Schluchz. Bei anderen Versionen hingegen (Arcade Fire) döse ich nur vor mich hin. Trotzdem ein schönes Album. Und als Alternative zu all den zahnlosen Kaffehaus-Mix-Compilations sehr zu empfehlen.
(Daniel Vujanic)
Sabin Tambrea ist groß gewachsen. Sein Blick ist eindringlich und wachsam, doch auch sehr scheu.
Sein Gesicht ist jugendlich verhärmt und voller Tiefen und seine schwarzen Haare, das lange, schmale Gesicht mit den hohen Wangenknochen und
die tiefliegenden Augen lassen vielleicht vermuten, dass des jungen Schauspielers Wurzeln nicht in Deutschland, sondern in Rumänien liegen.
Er hat einen scheuen, doch eindringlichen Blick und vielleicht würde man anmerken wollen, dass er in einer Zeit, in der Vampir- und Zaubersagen den
jugendlichen Zeitgeist mit prägen, den richtigen Look mitbringt um dementsprechend besetzt zu werden, doch damit wird man dem Talent des Schauspielers
und Feingeistes Tambrea nicht gerecht.
![]()
Anfang Juli konnte man Sabin nun in einer weiteren Premiere am Berliner Ensemble bewundern. Alt- und Starregisseur Peymann scheint einen Narren an Sabin gefressen zu haben. Auch Robert Wilson, so sagt man, war beeindruckt von den Fähigkeiten und der Ausstrahlung des jungen Mimen. Im Fernsehen konnte man ihn bereits in einer Folge vom Polizeiruf sehen und auch die Rollen, die zur Zeit im Raum stehen, deuten darauf hin, dass hier jemand kurz davor ist, den großen Sprung ins Rampenlicht, auf die großen Bühnen und die Kinoleindwand zu schaffen. So wird es höchste Zeit, dass wir mal nachfragen und uns ein schärferes Bild von Sabin Tambrea verschaffen.
BLANK:
Seit Dezember 2008 spielst du in einer Peymann-Inszenierung am Berliner Ensemble den Melchior in Wedekinds-Coming-Of-Age-Drama "Frühlingserwachen".
Ist da mit Mitte Zwanzig der Bezug zur Rolle noch oder überhaupt herstellbar oder ist das jetzt auch der Beruf des Schauspielers und Haltung
generieren ist ein handwerklicher Vorgang?
SABIN TAMBREA:
Bei mir ist es immer eine Mischung zwischen Handwerk und Intuition. Um die Probleme der Jungendlichen glaubhaft
darstellen zu können, muss ich sie in allen Facetten begreifen. Daher ist der zeitliche Abstand sehr hilfreich, in dem Alter wäre ich emotional
zu eingebunden gewesen, um sie auch noch ohne Scham darstellen zu können. Das Handwerk ist im Theaterbetrieb meine absolute Basis,
um Gefühle und andere kleinste Regungen des Geistes so zu vergrößern, dass der zweite Rang es auch registriert.
Ich gehe immer aus der Ferne auf eine Figur zu, sozialer Hintergrund, Ängste, Sehnsüchte, Unsicherheiten, charmante Schwächen von der die Figur selbst
nicht weiß, all das sammelt sich zu einem enormen Pool an und gipfelt schließlich in der Premiere, wo ich jegliche Kontrolle fallenlasse
und in dem Moment instinktiv aus der Situation entscheide. So gesehen kann ich den Melchior leichter projizierbar machen,
als er es selbst in der Lage wäre, weil er nicht diesen Reflexionshintergrund über sich selbst hat, wie ich ihn mir erarbeite.
BLANK:
Ein Kritiker schrieb, dein Melchior wäre "reizbar ins Innere gekehrt" und in ihm stecke, wie in jeder höheren Intelligenz, "ein Hauch Verführer".
Was sagen dir solche Beschreibungen, erkennst du dich da wieder oder blendest du diesen Echoraum weitestgehend aus?
ST:
Im Gegensatz zu vielen Kollegen gebe ich offen zu, Kritiken zu lesen, und mich sogar darüber zu freuen, wenn sie zumindest in meinen Augen gerechtfertigt sind.
In der Zeit am Berliner Ensemble habe ich erfahren, dass die Projektionsfläche, die man bietet, viel größer ist, als gedacht.
Da ist es sehr spannend zu sehen, in welche Farbtöpfe die Kritiker ihre Formulierungspinsel tunken. Bei einer Figur wie Melchior beschäftige ich mich
4 Monate lang intensiv mit der Rolle, vermische eigene Erfahrungen mit dem Rollentext Wedekinds, reichere an, konzentriere, unterstreiche Eigenschaften,
nehme auch weg. Und gerade das Wegnehmen bietet dem Zuschauer wiederum Platz zum projizieren und interpretieren.
Deshalb erkenne ich mich nicht selbst darin wieder, sehr wohl aber meine Arbeit an der Rolle. Im besten Falle ist die Figur weit weg von mir,
wird aber dennoch als glaubhaft empfunden. Deshalb kann ich es nur als ein Kompliment meiner Arbeit nehmen. Dazu gehören auch schlechte Kritiken,
wenn beispielsweise Kritiker die Unsicherheiten der Figur als meine eigenen als Schauspieler auslegen.
BLANK:
Wie ist die Arbeit mit Peymann, von dem man ja schon sagen kann, dass er ein Förderer deiner Talente ist?
ST:
Claus Peymann habe ich enorm viel zu verdanken, er hatte im richtigen Moment das nötige Vertrauen, mir große Rollen anzubieten und mich unter seiner
Aufsicht und Leitung wachsen zu lassen. Ich bin mit sehr viel Respekt und Demut in die ersten Proben gegangen, die Probensituation hat sich aber als
sehr menschlich und schauspielerliebend herausgestellt, worauf ich mich sehr leicht von diesen hinderlichen Guterzogenheitsgesten verabschieden konnte.
Peymann ist ein sehr emotionaler Regisseur, der alles in Worte kleidet, was er empfindet – was ihn zutiefst ehrlich macht. Wenn ich katastrophal daneben liege,
dann kriege ich das genauso zu spüren, wie wenn er freudestrahlend verkündet, dass es nicht ganz schlecht war.
Er ist genauso auf der Suche nach den Inhalten wie ich auch. Bei Melchior gab es eine wunderbare Wechselwirkung der Begabungen – was er mir
an sprachlichem Wissen geschenkt hat, konnte ich durch ein Grundverständnis zur Jugendlichkeit der Rolle revanchieren,
was bei ihm nun einmal ein wenig weiter zurück liegt, als bei mir. Natürlich gab es auch Streit und Blockaden, die haben sich aber im rechten Moment aufgelöst.
Peymann hat die Rolle mit mir zusammen sehr genau gebaut, mir alle Hilfestellungen gegeben, aber mir im richtigen Moment auch die Freiheit gegeben,
all das zu vergessen, um frei spielen zu können.
BLANK:
Du bist mit vier Jahren, kurz bevor der eiserne Vorhang fiel, mit deinen Eltern nach Deutschland ausgesiedelt.
Was für eine Identität hast du dir aufgebaut und wie? Und welche Rolle spielte dabei die Musik und die darstellenden Künste?
ST:
Meine Eltern sind Orchestermusiker und haben dieses Können mir und meiner Schwester weitergegeben.
Ich bekam Geigen-, Klavier-, Bratschen-, Dirigierunterricht und Harmonielehre, war rundum erfolgreich bei "Jugend musiziert"
und Mitglied des Landesjugendorchesters. So gesehen ist die Musik der einzige konstante Begleiter in meinem Leben.
Als entwurzelter Mensch in einer entwurzelten Familie in einem fremden Land klarzukommen, erforderte viel Zusammenhalt innerhalb der Familie,
aber auch das nötige Sensibilisieren für die neue Umwelt. Mir wurden andere Werte mitgegeben, als ich sie von vielen meiner Freunde präsentiert
bekommen habe. Ich bin sehr glücklich über meine Erziehung, und den manchmal komplizierten Weg, den mein Leben genommen hat.
Es war ein ständiges Suchen nach den Dingen, die mich in fremder Umwelt haben aufgenommen werden lassen.
Konnte ich nicht durch ein Motorrad im Alter von 16 punkten, musste ich durch Ironie, Humor und Schlagfertigkeit die zumeist weiblichen
Verbündeten für mich gewinnen.
BLANK:
Hast du einen deutschen oder einen rumänischen Pass?
ST:
Ich habe einen deutschen Pass und fände alles andere auch nicht rechtfertigbar für mich, ich bin kein Gast, ich bin hier zu Hause,
auch wenn ich meine Geburtsstadt als meine Heimat ansehe.
BLANK:
Erzähl mir von Tirgu Mures. Wie sieht es da aus? Gibt es Erinnerungen an Rumänien, die über die Sprache hinausgehen oder ist es für dich selbstverständlich,
auch an der rumänischen Gegenwart teilzunehmen?
ST:
Tirgu Mures ist die Quelle meiner schönsten Erinnerungen aus der Jugend. Grosseltern, Verwandte, Familie, das bestand und besteht dort immer noch,
auch wenn sich viele bereits mit Erde zugedeckt haben. Es waren die Sommer, welche mir gezeigt haben, wie bunt und flirrend das Leben trotz Armut,
heruntergekommener Viertel und viel Leid sein kann.
Ich versuche immer noch jedes Jahr meine Stadt zu besuchen, und fühle mich absolut heimisch, wenn ich das Stadtschild passiere.
Es ist trotz mancher infrastrukturellen Defizite ein charmantes einsturzgefährdetes Lebensgefühl – beispielsweise wurde ich vor wenigen Jahren
im selben Krankenhaus vom Blindarm befreit, in dem ich auch geboren wurde, eine spannende Erfahrung. Wenn es mir später möglich sein wird,
möchte ich den Ausgang sehr gerne auch an diesem Ort nehmen, wo ich schon den Eingang nahm.
BLANK:
Sind Biografien wie die deine nicht eigentlich der ursprünglichste Antrieb zu Zusammenschlüssen wie zum Beispiel der europäischen Union,
zum Zusammenwachsen der Völker in einer sich globalisierenden Zeitenwende, wenn man Werte, Sprachen und Gepflogenheiten herum reisen lässt?
ST:
Genauso wie die Eurogeldscheine die verschiedenen Länder besuchen, werden aus kleinen Mosaiksteinchen menschlicher Erfahrungen funkelnde Bilder
neuer Gesellschaften entstehen, es ist ja schon voll im Wandel, doch gleiche Sprachen gleichen nicht Verständnis und Akzeptanz aus,
die Offenheit der Seele muss das oberste Gut werden.
Hier geht es zum Berliner Ensemble, bei dem man Sabin Tambrea z. Zt. in den verschiedensten Rollen bewundern kann:
berliner-ensemble.de
Homepage von Sabin Tambrea
Dieser Artikel könnte gefallen:
Die Schauspielerin Jennifer Ulrich macht keine grosse Welle
(Text: JF / Fotos: Matthias David)

Dieser Artikel als Link: http://blank-magazin.de/index.php#sabin_tambrea
![]() |
Der „11 Freunde“-Autor Matthias Paskowsky hat über die aktuelle Schwemme an Literatur aus dem Hooliganumfeld kürzlich treffend geurteilt: „Mittlerweile tippt jeder an einem Hooliganschinken, der in Stadionnähe mal bei Rot über die Straße gegangen ist.“ John King lieferte bereits 1997 mit „Football Factory“ die Vorlage für den 2004 erschienen und nicht nur in entsprechenden Kreisen viel beachteten und wohlwollend besprochenen gleichnamigen Film. Seit Kurzem ist das Stück Milieu-Literatur erstmals auf Deutsch erschienen, das so viel mehr ist, als ein weiteres Blut-und-Kotze-Bekenntnis eines literarisch unbeschlagenen Alt-Haudraufs.
|
||
King erzählt nicht die Geschichte des Chelsea-Hools Tommy Johnson, seines Protagonisten, sondern die Geschichte einer abgehängten aber stolzen britischen Arbeiterklasse der Neunziger. Gewalt, Sex, Rassismus und ein ungebrochener, trotziger Stolz auf eigene Herkunft und Klassenzugehörigkeit sind die Themen.
In seinen triphaften Schilderungen exzessiver Gewalt und gewaltiger Exzesse bewegt sich King immer wieder gerne nah am Trainspotting-Idiom. Und wenn der Großmeister der Arbeiterklassen-Studie, Irvine Welsh, "Football Factory" attestiert, "das beste Buch über Fußball und die Kultur der britischen Arbeiterklasse in den Neunzigern" zu sein, dann kann man getrost davon ausgehen, hier ein authentisches Stück Literatur in den Händen zu halten. Literatur, aus der Erbrochenes, Blut und Alkohol trieft. Aber auch die großen Werte wie Freundschaft, Loyalität und Zusammenhalt. Wenn Chelsea auf Firms anderer Clubs trifft, schürt King durch seine Schilderungen das Adrenalin. Man möchte für einen Augenblick dabei sein und wenn nicht in der ersten Reihe, dann doch weiter hinten. Man möchte den Nebenmann spüren, den festen Glauben an einen Sieg, die eigene Unverwundbarkeit oder wenigstens eine erhobenen Hauptes eingesteckte Niederlage. Man riecht den Schweiss, das Blut pumpt schneller durch die Adern und kurz verliert man jede Distanz zum blutigen Geschehen. Man versteht den Hooligan und die Faszination Gewalt für einige wenige Minuten, bevor der Adrenalinpegel sinkt und die Distanz zum Geschehen steigt. Es ist beängstigend und faszinierend zugleich, wenn ein Stück Literatur es schafft, an den eigenen unverbrüchlichen Grundfesten (Gewalt = schlecht) zu rütteln. Und John King wäre nicht Irvine Welsh, wenn am Ende der Reise der halb totgeschlagene Protagonist zur Einsicht gelänge, sein Leben nicht mehr auf der Wochenend-Gewalt im Kreise der Kumpels gründen zu müssen. Loyalität, Zusammenhalt, Schmerz. Dieses Buch tut weh und vermittelt gleichzeitig so viel unaufdringlichen, unpeinlichen Klassenkampfpathos, dass es schade wäre, es unbeachtet zu lassen.
(Till Erdenberger)
Dieser Artikel als Link: http://blank-magazin.de/index.php#football_factory
![]() |
Es gibt diese Menschen, deren Anwesenheit einen alles um einen herum vergessen lassen. Die es unmöglich machen, auch nur einen Teil der eigenen Aufmerksamkeit auf etwas anderes zu richten, als die Person, der man gerade gegenüber sitzt. Begegnungen dieser Art hinterlassen Spuren, die so schnell nicht verwischt werden können und Shirin Neshat hinterlässt schon seit langem Spuren in der Welt. Ob als eine der wichtigsten zeitgenössischen Künstlerinnen, als Filmemacherin oder einfach als Mensch. BLANK traf Shirin Neshat zu einem Gespräch über ihren neuen Film Women Without Men, den Iran und die Frage, was Kunst politisch zu leisten vermag. |
||
Es begann im Jahre 1990: Shirin Neshat hatte den Iran als Siebzehnjährige noch vor der Revolution 1979 verlassen und kehrte nun nach fast fünfzehn Jahren das erste Mal in ihr Heimatland zurück. Das Land, das ihr begegnete, hatte wenig mit dem Iran ihrer Kindheit und Jugend zu tun. Die islamische Revolution hatte nicht nur das politische System von Grund auf verändert, sie nahm auch in erschreckendem Ausmaß Einfluss auf Kultur und Zusammenleben der Menschen. Das Gesicht des Irans war ein anderes geworden und allem voran waren es die Gesichter der Frauen, die dieser tiefgehenden Veränderung Ausdruck verliehen.
In der Fotoserie Women of Allah (1993-1997) portraitiert sie unter den Eindrücken ihrer Reise muslimische Frauen und greift damit eine Vielzahl von Themen zur kulturellen Selbstbestimmung, Geschlechterpolitik, Identität und Religion auf. Trotz dieser soziopolitischen Brisanz ist ihr Werk niemals belehrend. Eine politische Kunst, aber ohne den erhobenen Zeigefinger, da dieser der drückenden Hand des Systems viel zu ähnlich wäre.
Auf die Fotografie folgten Videos und Videoinstallationen, dieses Jahr legt sie mit Women Without Men ihr Spielfilmdebüt hin. Die Medienentwicklung in ihrer künstlerischen Arbeit erklärt sie vor allem mit den vielfältigen Möglichkeiten, die ihr das Medium „Film“ bietet:
„Meine Fotoserien waren sehr konzeptionell, die Frauen waren wie Skulpturen, man hat immer eine bestimmte Distanz zu ihnen gewahrt. Im Film hingegen habe ich die Möglichkeit, Charaktere zu entwickeln und in ihre Seele einzudringen.“
Seit sieben Jahren arbeitet sie bereits an dem Filmprojekt Women Without Men. Der Film setzt sich aus vier einzelnen Videoprojekten zusammen, in deren Mittelpunkt jeweils eine der weiblichen Hauptcharaktere des Films steht. Basierend auf dem Roman der Schriftstellerin Shahrnush Parsipur, spielt der Film 1953 in Teheran. In der westlichen Welt zum größten Teil unbekannt markiert das Jahr ´53 einen der großen Wendepunkte in der iranischen Geschichte. Im Kontext dieser gesellschaftlichen und politischen Veränderungen portraitiert Neshat fünf Frauen, die unterschiedlicher nicht sein können. Während Munis Streben nach Freiheit und politischem Engagement durch ihren autoritären Bruder unterdrückt wird, sehnt sich Faezeh nach nichts mehr, als diesen zum Ehemann zu nehmen. Fakhri hat mit der Enge ihrer Ehe zu kämpfen und Zarin entflieht ihrer inneren Resignation, indem sie all ihre Kraft aufwendet, um aus der Prostitution zu flüchten. Die vier Einzelschicksale werden in Women Without Men auf einer fantastischen Ebene zusammengeführt. Dabei bedient sich Neshat der Stilmittel der Romantik. Traum und Realität, Einbildung und Wünsche vermischen sich und machen den Film zu einer Reise durch verschiedene Wirklichkeitsebenen. "Ich weise lediglich auf die Wichtigkeit des Themas hin, ich will die Menschen emotional berühren." Hier liegt die Stärke ihres Werkes, die Verbindung aus politischer Brisanz und der metaphernreichen Sprache der Kunst. Sie versteht es, die Möglichkeiten der Abstraktion in der Kunst auf das Medium des Spielfilms zu übertragen und dennoch eine Story zu entwickeln, die über das stimulierende hinausgeht. "In der Kunst wird Abstraktion akzeptiert und geliebt, es ist okay, wenn du nicht alles verstehst. Film hingegen muss zugänglich sein."
Ein Jahr nach den Massenprotesten und der Formierung einer grünen Oppositionsbewegung, wird dem Film eine weitere Bedeutungsebene hinzugefügt. Neshat, die mit dem Projekt bereits 2003 begann, hat diese Koinzidenz stark berührt: „Während wir den Film geschnitten haben, liefen die Bilder der Demonstrationen im Fernsehen. Die Bilder waren so identisch und immer noch kämpfen die Iraner für ihre Rechte.“
Der Iran des Jahres ´53 ist ein offenerer und kosmopolitischerer Iran, als der von heute: "Es ist mir ein Anliegen, den Menschen zu zeigen, dass der Iran nicht immer so war, wie er heute wahrgenommen wird."
Der Westen hat sein Talent zum Schwarz-Weiß-Malen weiter perfektioniert und so werden unterschiedlichste Länder und Kulturen auch gerne mal pauschal als "der nahe Osten" abgehandelt und Shirin Neshats Werk der Stempel "genderpolitisch" aufgedrückt. Der Film Women Without Men vermag diese beiden Klischees zu sprengen, weil er sich nicht einfach auf den Gegensatz von Mann und Frau beschränken lässt. Jede der vier Protagonistinnen entwickelt ihre eigene Geschichte, ihre eigenen Ideale, Werte und Zukunftsvisionen. Diese Lebensläufe gehen über die der angepassten und gläubigen Muslimin und der rebellischen Freiheitskämpferin hinaus.
„Ich bin keine Expertin für Frauen, ich bin Künstlerin“ und so schafft es Shirin Neshat, uns die Seele eines Landes näher zu bringen, dessen öffentliche Wahrnehmung sich zu oft auf schwarz-weiß(-grün) beschränkt.
(Antonia Märzhäuser)
WOMEN WITHOUT MEN
SHIRIN NESHAT/SHOJA AZARI
VERLEIH: NFP marketing& distribution*
AB 01. JULI IM KINO
Trailer (Link zum Video)
Dieser Artikel als Link: http://blank-magazin.de/index.php#exil_der_traeume
Seit ein paar Tagen bin ich zurück aus dem Nahen Osten. Nach Wochen der absoluten Bewegung hat mich der Stillstand des Alltags wieder. Die Realität wird durch Tagträume ersetzt, die Träume durch Fernweh. Stundenlang hänge ich abwesend über Reisenotizen und betrachte meine Fotos aus fernen Ländern. Eine ganz andere Art von Bewegung hat nun unweigerlich Besitz von mir ergriffen. Als kleinen Vorgeschmack auf die Fotostrecke aus dem Nahen Osten in der nächsten Ausgabe des BLANK Magazins hier zwei kurze Videos unterschiedlicher Bewegung aus einer Unterführung in Istanbul und der Stadt Hama in Syrien. Ich denke, man sollte Spielwarenverkäufer in Istanbul werden, um wirklich ab- und ausschalten zu können. Seid gespannt auf mehr!
Euer Boris Guschlbauer
Unterführung in Istanbul
Hama in Syrien
Dieser Artikel als Link: http://blank-magazin.de/index.php#geradeaus
Auch wenn man in den Stadien Südafrikas genau hinhören muss, um in der ohrenbetäubenden Klangkulisse der Vuvuzela-Tröten die Fangesänge herauszuhören, so sind sie natürlich auch bei dieser Fußballweltmeisterschaft wichtiger Bestandteil von Stimmungsmache und Identifikation. Und Stimmung ist doch genau das, was man von einem Fußballspiel, speziell während einer Fußballweltmeisterschaft, erwartet, egal ob vor Ort, im Fanblock des Lieblingsvereins, beim Public Viewing, dem neuen Trendsport der Deutschen, oder zuhause, auf der Couch, mit Familie und Freunden. Also Stimmung!
![]()
Ein großer Freund von Geselligkeit und dazu ein Kenner der Stadien und Fans dieser Welt, ist der ehemalige Manager von Bayer 04 Leverkusen und gern gesehene TV-Recke Reiner Calmund, der den Fans aufgrund seiner direkten und schnoddrigen Art seit jeher näher stand, als andere Fußballfunktionäre. Sei es beim TV-Fußball-Stammtisch oder als Juror bei einer Kochsendung, niemals verbiegt er sich. Immer ist er echt. Ein Vollprofi, der weiß, wie Fanseele und Fußballerherz ticken und wie wichtig das Erleben von Gemeinsamkeit ist. Dass er selbst bei jedem Fußballhit mitsingen kann, hat er uns an der Playstation bewiesen.
BLANK:
Herr Calmund, was macht einen guten Fußballhit aus? Was sollte dieser unbedingt haben?
REINER CALMUND: Ein guter Fußballsong ist ein Ohrwurm - immer! Der populärste Fußballsong ist sicherlich „You'll never walk alone“, der aus Liverpool stammt, dort immer vor dem Anpfiff gesungen wird. „Du gehst nie alleine“ - das ist das Treuebekenntnis schlechthin der Fans an den Verein, an die Spieler. Diese Hymne ist einfach ergreifend und zeigt, dass Fans und Verein in guten und in schlechten Zeiten zusammenhalten. Der Song steht für Emotion, Identifikation und Zusammenhalt.
BLANK:
Fangesänge gehören ja wie das runde Leder einfach zum Fußball dazu. Wie sieht Ihr persönlicher WarmUp aus, wenn unsere Nationalmannschaft spielt?
RC: Im Stadion und auch bei den großen Public Viewing-Veranstaltungen singe ich mit. Zuhause gehört das SingStar-Mikro genauso zum WarmUp, wie das Grillwürstchen und ein kühles Bier. Jeder will dann in das Ding reingrölen. Also nicht nur die Fußballhits, auch allgemein Oldies. Da brennt wirklich die Luft und da geht es rund.
BLANK: Warum singen Fußballfans eigentlich so gern? Und was bringt es den Spielern?
RC: Es macht auch mir, gerade bei Länderspielen, so richtig Spaß, Fußballlieder mitzusingen. Fans können mit ihrer gesanglichen Unterstützung zum 12. Mann werden. Jedes Spiel braucht ein Stadion mit Ambiente und vor allem Atmosphäre. Im Idealfall kommt es zur Wechselwirkung, dann springt der Funke über, vom Rasen auf die Ränge und wieder zurück.
Im besten Falle entstehen in dieser Wechselwirkung magische Momente, an die man sich noch Jahre später erinnert, „weißt du noch, damals, und dann haben alle lauthals mitgesungen“. Es ist das gemeinsame Erleben und Erleiden, was diese Wechselwirkung, diese Beziehung zwischen Fan und Mannschaft ausmacht. Diese Beziehung kann gnadenlos sein, ohne Rücksicht, verletzend und brutal. Doch am Ende geht es nun mal nicht ohne den jeweils anderen. Und, seien wir mal ehrlich, kein Mensch braucht eine Rockversion der deutschen Nationalhymne von einer ergrauten Altrocker-Band wie Bonfire. Da singen wir lieber selber, egal, ob im Stadion oder im heimischen Wohnzimmer, mit dem SingStar-Mikrofon in der Hand. Und passend zur jetzt stattfindenden Weltmeisterschaft in Südafrika gibt es die SingStar Fussballhits u.a. mit dem Klassiker schlechthin, „You'll never walk alone“ von Gerry & The Pacemakers, der Bayern-Hymne „Stern des Südens“, Franz Beckenbauers triumphalen Ausflug in die Schlagerwelt mit „Gute Freunde kann niemand trennen“, dem großartigen Brit-Pop-Hit der Lightning Seeds „Three Lions“ und natürlich den bekannten Gassenhauern, WM- und Club-Hymnen von Nelly Furtado, Bob Sinclair, den Sportfreunden Stiller, Revolverheld, Lotto King Karl oder den Höhner („Mer stonn zo dir, FC Kölle“). Also, lasst uns gemeinsam singen! Während einer Fußballweltmeisterschaft gibt es keine Krise!
Gemeinsam mit Sony PlayStation verlosen wir ein WM-Paket, bestehend aus Liegeauflage, XXL-Schwimmring, Strandtuch, Vuvuzela, Bikini und die SingStar Fußballhits Compilation für die PS3.
Bitte schreibt eine Mail mit dem Betreff „SingStar Fußballhits“ bis spätestens 11.06. an verlosung[at]blank-magazin.de. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Dribblings auch.
Weitere Links:
Vorbilder:
Die Fans aus Liverpool zeigen, wie es geht
Südtribüne in Dortmund kann es auch
Und die Fans des deutschen Meisters dürfen hier nicht fehlen
Und die Innbrunst Berlins
Und zur Abschreckung das Video zur deutschen Hymne in der Version der Altrocker Bonfire
Dieser Artikel könnte gefallen:
Jan Off über Fußballfans, Fanatiker und Vollidioten
(Elmar Bracht)

Dieser Artikel als Link: http://blank-magazin.de/index.php#fussballhits
![]() |
John Irving erzählt in seinem neuen Buch „Letzte Nacht in Twisted River“ eine Geschichte vom Erwachsen, Älter werden und Einsam sein, die im rauen Holzfäller-Milieu der 50er Jahre beginnt und mit den Erfahrungen von 9/11, irgendwo zwischen New Hampshire und Toronto, im Nordamerika der Gegenwart ihr berührendes Ende findet. Es ist die Geschichte von Vater und Sohn, die vor einem stumpfsinnigen Sheriff flüchten und versuchen ein Leben zu finden. Der Vater bleibt Koch. Der Sohn wird Schriftsteller. |
||
Die Flucht wird zur Farce, die das Leben von Vater und Sohn über fast fünfzig Jahre verfolgt und prägt und in einem dramatischen Showdown mündet. Irving zeichnet das Bild einer Familie die nie eine war und auch keine sein wird, in einem Amerika, in dem die Menschen sich suchen - sich selbst und den anderen. Irving erzählt von diesem Suchen nach einem Zuhause, nach einem Ort der Geborgenheit, nach Menschen, mit denen man gemeinsam solche Orte schaffen kann, jenseits von Wert- und Moralvorstellungen. Es geht in diesem Buch um allgegenwärtige Gewalt, die dafür sorgt, dass man Freiheit nur als Flucht begreift und daran scheitert, in der Flucht auch Frieden zu finden. Am Ende erscheint dem Schriftsteller Danny Angel, der alle verloren hat - die Mutter, den Vater, den eigenen Sohn und den besten Freund -, am Ende erscheint Danny Angel, der eigentlich Daniel Baciagalupo heißt, ein echter Engel: Lady Sky, groß, stark und tätowiert, eine Begleiterin, die, von einer kurzen, nackten Begegnung in frühen Jahren an immer existent, doch erst jetzt am Ende auch anwesend ist und plötzlich spürt man das elegische Moment, die tiefe Traurigkeit, die uns Menschen umgibt, wenn wir einfach sein wollen, die Sehnsucht nach Frieden und Familie, die Sehnsucht nach der konstanten Abwesenheit von Gewalt.
Das könnte auch interessieren: Daniel Vujanic über Stepehn Kings „Die Arena“
(Elmar Bracht)
Dieser Artikel als Link: http://blank-magazin.de/index.php#twisted_river
Mit eingenähter Geheimtasche in der Jeans machte sich unser Reiseredakteur Boris Guschlbauer auf den Weg nach Afrika. Wir fragten ihn vor der Abreise, was er sich von Afrika erwarte, nachdem er zuletzt in Indien und im Iran unterwegs war und er antwortete: „Ich glaube Afrika ist komplett anders. Vor den anderen Reisen hatte ich nicht so Schiss und ich hoffe, all meine Ängste gegenüber Afrika auf der Reise jetzt abbauen zu können. Krankheiten, Überfälle, Vodoo. Ich möchte mir das alles gar nicht vorstellen.“ (Text & Fotografie: Boris Guschlbauer)![]()

Dieser Artikel als Link: http://blank-magazin.de/index.php#berlin_dakar

Die Texthölle: Geschichten unserer Autoren über alles was wichtig und richtig, schön und hässlich, gut und schlecht ist. ![]()

Der BLANK-Blick auf die Welt von An-, Aus- und Umziehen. Oder Verkleiden. ![]()

Eine Kolumne von Roman Libbertz. ![]()

Die etwas andere Kolumne von Nilz Bokelberg. ![]()

Blau ist das neue Grün oder zumindest das neue Gelb. Auf jeden Fall ist blau meer. ![]()

Der Begriff vom „Herrenpils“" ist dabei sich aus unserem Bewußtsein zu verabschieden. Nicht ohne Grund, denn auch Bier orientiert sich am Zeitgeist und da ist eine neue Männlichkeit einfach mehr gefragt als Herrenhaftigkeit. ![]()

Sommer, Sonne, Sonnenschein. Zeig Haut, Baby! Wir verlosen diesen Bikini von BENCH 3 mal, in den Größen S, M und L, also eigentlich für jeden, der am Strand, im DC10, beim Beachvolleyball oder beim Open-Air-Rave glänzen möchte. ![]()

Seit 1935 sind die von John Sperry designten Schuhe von den Booten dieser Welt nicht mehr wegzudenken. Doch mittlerweile sind diese Schuhe nicht mehr nur auf dem Wasser zu finden, heute trägt man Schuhe von Sperry Top Sider auch auf der Straße.![]()
Danke! Deine Nachricht wurde gesendet.